Wissen, was sich beZAHLt macht

Das Weierstraß-Institut auf der Langen Nacht der Wissenschaften 2009

 von Konstanze Schiller

Am Anfang war das Wort. Um den Anfang festzulegen, bedurfte es der Zahlen. Dieser Zusammenhang macht die Mathematik zu einem ebenso wichtigen Teil unseres Lebens wie die Sprache. Leider wirkt sie oft weniger ansprechend. Diesem Phänomen entgegenzuwirken, haben sich die Wissenschaftler des Weierstraß-Instituts für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS) im Forschungsverbund Berlin e. V. als Aufgabe gesetzt und das nicht nur auf der diesjährigen Langen Nacht der Wissenschaften.

Seit dem Jahr 2000 findet in Berlin jährlich die Wissenschaftsnacht statt, um die Abneigung gegenüber den Naturwissenschaften abzubauen– mit Erfolg. In diesem Jahr erzielte sie erneute Besucherrekorde. Auch die Liste der teilnehmenden wissenschaftlichen Einrichtungen und ihrer jeweiligen Institute ist gestiegen. Von Beginn an dabei sind die Forschungseinrichtungen der Leibnitz Gesellschaft und des Forschungsverbunds Berlin e. V., darunter u. a.  das WIAS.

Unter den Wissenschaftlern haben es die Mathematiker wohl am schwersten in der Bevölkerung Interesse für ihre Arbeit zu gewinnen. Hört man Analysis und Stochastik, denkt man unmittelbar an Mathetests oder die Aufgaben aus der Abiturklausur, die man gerade so und nur unter Zwang und Protesten hinter sich gebracht hat. Hoffentlich begegnet einem so etwas nie wieder. Dass diese Einstellung ein Irrtum ist, bewiesen die Wissenschaftler auf der Langen Nacht in vier Vorträgen und Computersimulationen. Der Mathematik-Doktorand Robert Huth hat anhand von aufgeblasenen Ballons die Energiespeicherung in Feststoffen bei Phasenübergängen, vor allem bei einem Lade- und Entladevorgang in einer Lithium-Batterie, veranschaulicht. Die von den WIAS-Wissenschaftlern entwickelten mathematischen Gleichungen dahinter lassen sich auf andere Stoffe übertragen und sollen z. B. helfen die Wasserstoffspeicherung in Kristallen zu optimieren um sie in der Automobilentwicklung einzusetzen. Alexander Mielke erklärte im nächsten Vortrag die mathematischen Modelle der Struktur einer Form-Gedächtnis-Legierung. Diese smart materials besitzen die Fähigkeit sich ihrer ursprünglich gegebenen Form auch nach Veränderung zu erinnern und bei Temperaturänderung diese wieder einzunehmen. Nach dem Vortrag sind die Besucher begeistert dem Angebot gefolgt, die Wirkung des Form-Gedächtniseffekts selbst zu überprüfen. Anhand eines TU-Logos aus Nithinol konnte man beobachten wie sich dieses im heißen Wasser nach Verbiegen blitzartig wieder seine Ursprungsform annahm. Auch der Vortrag zur „Formel von Black-Scholes – Wunderwaffe er Finanzwelt?“ war gut besucht – kann sich eine solche Information schließlich in der heutigen Zeit als sehr nützlich herausstellen. Generell waren sich die Besucher darüber einig, dass das Vortragsprogramm sehr interessant sei. Einige Besucher sind schon in den Jahren zuvor zu Vorträgen am Institut gekommen. Der Abiturient Jonas Toutaoui besucht die Lange Nacht der Wissenschaften schon seit längerer Zeit. In diesem Jahr hat er die Veranstaltungen vorwiegend zur beruflichen Orientierung genutzt. In die wissenschaftliche Richtung soll es auf jeden Fall gehen und Mathematik sei ja wichtig für alle Bereiche. Eher hobbymäßig betreiben die Besucher Marcel Möbius und Heike Seidel die Wissenschaft. Sie seien zum dritten Mal auf der Langen Nacht und freuen sich immer wieder auf Neues. Dirk Mompe hat den Abend als Anlass zum längeren Austausch unter Kollegen genutzt. Er ist Mathematiker mit dem Schwerpunkt Logik. Ihn interessiert vor allem die Anwendungsseite der Mathematik.

Während die Wissenschaftler themenspezifisch für Fragen zu Verfügung standen, hat der Auszubildende Felix Anker im Vorraum bereitwillig über die Ausbildungs- und Forschungsmöglichkeiten am WIAS informiert. Im Rahmen seiner Ausbildung zum mathematisch-technischen Softwareentwickler hatte er bereits den Tag der Mathematik an der Humboldt-Universität mitgestaltet. Begeistert hat er über die unterschiedlichen Aufgaben am Institut durch die vielen Kooperationen mit Unternehmen und anderen Instituten berichtet. Im Hintergrund läuft auf dem Fernseher eine Produktionssimulation für BMW, die dem Unternehmen Zeit und Geld in der Planung spart. Seit Anfang des Jahres gebe es auch eine Kooperation mit der NASA.

Auf einer Schautafel neben ihm befindet sich die Erklärung für die Unlösbarkeit eines Schiebepuzzles. Das war ein Projekt mit einer Kollegin in 7. und 8. Klassen, da die Sache mit dem goldenen Schnitt langsam ausgelutscht sei. Wenn in einem Schiebepuzzle mit ungerader Spaltenanzahl das freie Feld in der letzten Zeile ist und es eine gerade Anzahl von ungeordneten Paaren gibt, ist das Puzzle nicht lösbar, genau wie bei gerader Spaltenanzahl und ungerader Anzahl von ungeordneten Paaren. Das hätte mir in der 7. Klasse auch mal jemand erklären können. Dann wären mir einige Wutanfälle erspart geblieben. Vielleicht finden die WIAS-Wissenschaftler neben ihren vielfältigen Projekten demnächst auch eine mathematische Erklärung für die Unlösbarkeit der bunten Felder von Zauberwürfeln – hoffentlich bis zur nächsten Langen Nacht.

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