ERDE–SATELLIT–ERDE

von Susanne Pflügner

Als man den mit Ästen und Gestrüpp bewachsenen kleinen Trampelpfad, der nicht einmal asphaltiert ist, hinunter geht, scheint das eher ein Ausflug in die tiefst Natur zu werden, als die Besichtigung eines der präzisesten Messinstrumente Potsdams. Der Hof, zu dem der kleine Pfad führt, wirkt gerade noch wie ein kleiner Parkplatz, aber nicht besonders sehenswert. Warum also sollte die kleine Gruppe hierher kommen? Doch nun wird man auf die kleine metallene Wendeltreppe hingewiesen, die ca. 15 Meter nach oben führt – hoch zum Observationsturm des Deutschen Geoforschungszentrums. Erst die Treppe hoch – dann links – einen schwach beleuchteten Flur entlang – und man steht mitten in der Kontrollzentrale, in dem die ankommenden Daten eines Teleskops verarbeitet werden. Ein erschöpft wirkender Mann, der sich als Ludwig Grunwaldt vorstellt, beginnt an diesem Abend wahrscheinlich zum 7. oder 10. Mal, seine vorbereitete Rede über den Aufbau und die Funktion der potsdamer Satelliten-Laserradarstation.

Die 1992/93 in Betrieb genommene Apparatur erstreckt sich über zwei Stockwerke: Gleich neben der Zentrale, in einem kleinen, angrenzenden Flur befindet sich der Generator, der den Laserstrahl erzeugt. Dieser wird als handflächengroßer Strahl über ein Spiegelteleskop, das sich auf dem Dach des Gebäudes befindet, in das Weltall gesendet, dorthin wo, umfangreichen Berechnungen zufolge, sich ein speziell ausgerüsteter Erdsatellit befinden sollte. Der Impuls kann Raumkörper zwischen 400 und 20.000 km Flughöhe erreichen. Doch das Aufspüren eines Satelliten entspricht zum größten Teil eher der berühmten Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, denn nicht nur Satelliten umkreisen den Planten. Momentanen Schätzungen zufolge befinden sich rund 600.000 Objekte, die man als Weltraumschrott klassifizieren kann in der Umlaufbahn der Erde. Und diese gilt es von wichtigen Raumkörpern zu unterscheiden.

Trifft der Laserimpuls einen Satelliten, reflektiert dieser das Licht mittels Spiegeln wieder, mit denen die meisten modernen Satelliten ausgestattet sind. Das reflektierte Licht wird von dem Spiegelteleskop in Potsdam wieder aufgefangen. Doch das Finden, Senden und Empfangen ist ein sehr komplexer Prozess, der durchaus auch von schlichtem Glück abhängt, denn „von den 1016 ausgestrahlten Photonen, kehren nur rund 1000 wieder“, erklärt Grunwaldt. Natürlich wird das Teleskop bereits vorher in die, den Berechnungen entsprechende Position gebracht, dennoch kann der Schuss auch einfach ins Leere gehen. Die Zeit, die das Licht von der Station bis zum Satelliten und wieder zurück braucht, wird von dem Computer, durch den Vergleich der Sender- und der Empfängeruhr, berechnet und anschließend optisch enttarnt. Für den Laien unübersichtlich, ergibt sich für die dort beschäftigten Physiker ein klares Bild von der Position des Satelliten. Solange der Satellit für diese Bodenstation erreichbar ist –  sie ist von insgesamt 25 Stationen weltweit – wird das Verfahren wiederholt, um so ein Teilstück seiner Flugbahn des Raumkörpers zu präzise wie möglich zu berechnen.

Soviel zur Funktion und zur Prozedur des Systems. Eine Sonderfunktion hat die Radarstation aber auch noch, erklärt Grunwaldt den Besuchern. In der Erdumlaufbahn befinden sich neben aktiven Satteliten, auch passive Satelliten, die keine Signale senden, wie die sogenannten speziellen Lasersatelliten. Diese passieren auf ihrer Umlaufbahn die verschiedenen Laserstationen und können, durch die kontinuierliche Laserbestrahlung, Aufschluss über die Veränderungen der geographischen Ausrichtungen der Stationen geben. So wurde beispielsweise herausgefunden, dass sich der Erdboden der potsdamer Kontrollstation auf dem Telegrafenberg täglich um fast Dreißig Zentimeter hebt und wieder senkt.

Damit endet die kleine Führung auch schon, denn die nächsten Gäste drängen sich hinein und Grunwaldt muss seinen Vortrag von vorn beginnen. Die bereits informierte Gruppe wird hinausgescheucht und muss nun den kleinen Trampelpfad zurück gehen, in dem Bewusstsein, dass der Weg vor ca. Fünfzehn Minuten wahrscheinlich noch Zwei Zentimeter höher gelegen war.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s