Praxistipp 2: Das gute Pressefoto

Teil 2 meiner Sommerreihe mit Praxistipps. Für dieses Blogposting gibt es sogar einen Anlass, wenn man so will, nämlich einen interessanten Blogbeitrag von Patrick Lux, auf den ich über fünf Ecken gestoßen bin.  Mehr dazu unten.

Vorgeschichte (Absatz kann übersprungen werden):

Fotoauswahl in einer Wissenschaftsredaktion der späten 1990er Jahre. Auf einem Leuchttisch liegen Dias, die per FedEx aus den USA gesandt wurden. Die Artdirektorin, der Layouter, seine Kollegin und die Redaktion beugen sich über Bonobo-Bilder. Ist das schöner oder das? Das eine kostet 200, das andere 400 Dollar. Aber das teurere ist auch schöner. Das soll es sein. Das war es. Und das selbe Spiel wiederholte sich jede Woche. – Zeitsprung. Eine Pressestelle fünf, sechs Jahre später. Regelmäßiger Anruf aus Wissenschafts- bzw. Fotoredaktionen: Haben Sie vielleicht auch ein Laborbild, das wir zu dem Text stellen können? Subtext: Kostenlos, natürlich.

Das Geld ist knapp geworden in den Verlagshäusern. Und jede PR-Fachfrau weiß das. Also sendet sie Bilder mit, denn die erhöhen die Abdruckwahrscheinlichkeit einer Pressemitteilung enorm. Nicht alle Bilder freilich, nur gute.

Was ist ein gutes Foto? Ein authentisches Bild aus der Wissenschaft, eine gute Infografik, eine grafisch schön aufbereitete Statistik. Schlechte Fotos sind Genrebilder (etwa Strommasten, wenn es um Energie geht; Pillen auf einem Haufen, Kraftwerke, Stethoskope etc.) oder aufgereihte Menschen einer Arbeitsgruppe, die dastehen wie Schützenkönige bei der Vereinsfeier. Genrebilder zeugen von der Not, kein Bild zu haben. Die Gefahr ist groß, dass das Genrebild, das man selbst herausgesucht hat, der Redakteurin nun gerade gar nicht gefällt und dass die Redakteurin den Plan durchschaut, mit irgendeinem Bild in die Medien kommen zu wollen.  Hier ein Beispiel für ein sehr gutes Genrebild mit einer interessanten Diskussion, inwieweit es journalistisch statthaft ist, solche Symbolbilder zu nutzen. Der zentrale Punkt: Ein Genre-oder  Symbolbild ist nicht dokumentarisch. Für mich in der Wissenschaftskommunikation ist das ein No-Go.

Eines „meiner“ erfolgreichsten Fotos war allerdings auch nicht rein dokumentarisch. Das Bild zeigt eine Computertomographie einer Schlange, die gerade eine Ratte gefressen hat.  Die Aufnahme  wurde in fast allen wichtigen Medien gedruckt. Die Nachricht dazu kam huckepack.

Die Idee für die Aktion hatte der Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Heribert Hofer. Er ist einer der wenigen, denen ich zutraue, Tiere in der PR gut einzusetzen. Allen anderen rate ich dringend ab. Denn eine Regel für Events lautet: keine Kinder, keine Tiere. Die sind nämlich nicht planbar. Hier die Geschichte eines in der PR-Branche legendären Fails (das ist aber wieder was für einen eigenen Blog-Beitrag).

Gute Fotos sind originell, das war dieses Bild mit der Schlange und der Ratte allemal. Sie zeigen eine Aktion, eine Szene, erzählen gar eine Geschichte. Sie sind authentisch und nicht gestellt mit grellen, scheinbar selbst leuchtenden Chemikalien in Reagenzgläsern (Tipp für Anfänger: Taschenlampe unters Reagenzglas, Gesicht der Forscherin nah ran, schaut schön dämonisch aus).

Liebe Kolleginnen: Investiert ein paar hundert Euro und lasst alle ein, zwei Jahre eine Profifotografin in eure Labore. Schaut nach, was an Schätzen auf den Festplatten der Forscherinnen schlummert: Mikroskopaufnahmen, Simulationen, Grafiken (passt auf die Bildrechte auf, ob die nicht schon bei den Gelddruckmaschinen Wissenschaftsverlagen liegen). Macht nicht selbst Fotos, die Ihr Medien anbietet. Ihr tut euch keinen Gefallen, den Wissenschaftlerinnen nicht und den Medien auch nicht. Was anderes sind Blogs, auch Institutsblogs. Da dürfen die Fotos schon mal rough and dirty sein.

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