Klima, Schwule und Kinder

Nachdem ich letztens über Pornographie und Wissenschaftsjournalismus gebloggt habe, ist mir jetzt etwas eingefallen zu Klima und Homosexualität. Es geht dabei um Normalität und darum, was unnatürlich ist. Die FAZ und eine Vierlingsschwangerschaft kommen darin auch vor.

In einer der ersten Vorlesungen zum Thema Klima ließ der Dozent im Fach Meteorologie uns Studierende Definitionen vorschlagen, was denn Klima sei. „Das durchschnittliche Wetter“, sagte ein Kommilitone. Naja, sagt der Prof, das wäre dann in Deutschland – wenn man nur die Temperatur anschaut – ein Mittel von ungefähr zehn Grad. Das trifft unser Klima nicht wirklich. Um es kurz zu machen: eine halbwegs brauchbare Definition von Klima berücksichtigt nicht nur den Durchschnitt, sondern auch die Höchst- und Tiefstwerte und deren Häufigkeit. Hagel in Deutschland oder Tage mit Temperaturen unter minus 15 Grad sind nicht häufig, aber auch nicht unnatürlich. Es ist normal, dass es im Sommer gewittert und es ist normal, dass es dabei mal zu Hagel kommt.

„Schwul“ ist vor allem auf dem Schulhof ein Schimpfwort. Die Kinderlogik findet es eben nicht normal, wenn zwei Männer sich lieben, sondern irgendwie eklig oder so. Eine Leitartiklerin der FAZ, Helene Bubrowski schaffte es nun, in einem Leitartikel zur Mutterschaft von Vierlingen einer 65-jährigen Berlinerin („Wer denkt an die Kinder?“, FAZ, Freitag, 5. Juni 2015, S. 1) unterzubringen, dass auch homosexuelle Paare ein „Recht auf ein Kind“ für sich reklamierten. Liebe Frau B.: Lesbische Frauen können Kinder auf normalem Weg bekommen, und schwule Männer können normal Vater werden. Ganz natürlich. Homosexualität ist natürlich und normal, wenn auch nicht so häufig wie, sagen wir, Sprühregentage in Hamburg oder Schnee in Garmisch.

Was dagegen die Vierlingsmutter mit Mitte 60 sich anstellen ließ, ist wider die Natur, unnormal und nach meinem Empfinden und dem vermutlich der meisten Menschen in hohem Maße unmoralisch. Das aber hat mit gleichgeschlechtlichen Paaren, die Kinder erziehen wollen, nichts zu tun. Die Verknüpfung des einen mit dem anderen ist perfide. (Und warum schreibt keiner über den TV-Sender, der das unterstützt? Wer handelt da Verträge aus? Wer plant Sendungen?)

Ausgerechnet in der selben FAZ-Ausgabe (Seite 8) verteidigt dann ein kleiner Kommentar Frau Kramp-Karrenbauers Einlassung zur „Homo-Ehe“, die demzufolge vielleicht Tür und Tor für Ehen zwischen nahen Verwandten und Polygamie öffne. Die normale Ehe sei nun mal die zwischen Mann und Frau, schreibt kum. alias Jasper von Altenbockum. Da sollte dann nicht „normal“ stehen, sondern „herkömmlich“ oder vielleicht „genormt“. Aber normal, das zeigt Irland, ist mittlerweile etwas anderes.

Also, liebe FAZ-Autorinnen und Autoren: Ihr mögt es ja befremdlich finden, vielleicht sogar eklig oder widernatürlich, wenn Männer Männer lieben und Frauen Frauen und wenn derlei Paare Kinder großziehen wollen. Dann sagt das und erzählt mir nichts von normal. Und seid euch bitte bewusst, dass ihr damit Schulhof-Logik benutzt. Macht euch einfach klar, dass zur Normalität auch die Vielfalt gehört.

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