Corona: Wie Medien in der Krise helfen könnten

Liebe Verlage, liebe Chefredakteur*innen, liebe Geschäftsführer*innen, liebe Journalist*innen, liebe PR-Kolleg*innen in der Forschung,

warum muss ich auf die Seite von der Johns Hopkins Universität gehen, um eine coole Kartendarstellung der weltweiten Fälle und Tabellen zu sehen? Warum muss ich nach USA schauen, um das als Grafik zu sehen?  Warum brauche ich Twitter, um mich umfassend informiert zu fühlen? Warum muss ich Lars Fischer und Kai Kupferschmidt und Christian Drosten folgen, um vertrauenswürdige Einordnungen von Nachrichten zu erhalten?

Sorry, RKI, ihr seid gut und wichtig, aber ihr habt es nicht so drauf. Ihr habt jetzt auch Wichtigeres zu tun (keine Häme, ich meine es ernst!). Alle arbeiten am Anschlag. Alle bemühen sich. Es wäre zu viel verlangt, jetzt auch noch Bullsh*t zu kommentieren wie die Frage des BILD-Reporters bei der Bundespressekonferenz, ob die Wies’n (aka Oktoberfest) betroffen sein könnte.

Und die Zahlen steigen. Die eine Hälfte Deutschlands fordert mit Angstlust einen kompletten „Shutdown“ (ohne zu fragen, wer dann ihre Nudeln und das Klopapier liefert), die anderen feiern eine Art deutschlandweite Masernparty. In Berlin sperrt rot-weißes Flatterband die vorderen Türen der Busse und Clubs überlegen zugleich, ein Konzert in zwei Teile zu trennen, damit es jeweils unter 1000 Leute sind.

Warum, bitte, tun sich die Verlage nicht zusammen und bauen gemeinsam mit Forschungsorganisationen, zum Beispiel, eine interaktive Corona-Karte für Deutschland und Europa? Mit den Stories von Lars Fischer, Sascha Karberg, Nicola Kuhrt, Kai Kupferschmidt (das sind jetzt nur mal die ersten, die mir einfallen, ich hoffe die, die mir gerade nicht einfallen, sind nicht beleidigt, das täte mir sehr Leid!),  mit vertrauenswürdigen Infos und den Podcasts von Christian Drosten? Und Mai Thi Nguyen-Kim und Rezo und das Science Media Center helfen? Ich meine, die Kacke ist bald richtig am Dampfen. Entweder wegen der Krankheit oder wegen der Hysterie oder der Ignoranz oder wegen allem. Schaut nach Italien. Schaut in die USA.

Warum schreibt und sendet jede/r für sich? ARD und ZDF, tut euch zusammen. Bringt Informationen unters Volk, die gesichert(!!) sind. Lasst nicht jeden Deppen zu Wort kommen. Siehe oben. Jetzt wäre die Stunde für Wissenschaftsjournalismus und Wissenschaftskommunikation, einer staatsbürgerlichen Verantwortung gemeinsam gerecht zu werden. Keine Panikmache, sondern gut und klug aufbereitete Informationen, auf wissenschaftlicher Evidenz basierend. Auf einer Seite. Unter einer Adresse. Warum widmet Phönix oder ein anderer Spartenkanal nicht sein komplettes Programm, ja, ich meine komplett!, der Corona-Krise. Ständige Updates à la infoRADIO… – Einordnungen von Nachrichten, Statements von Expert*innen. Das würde auch die Expert*innen entlasten, die nicht von Studio A zu Sender B rennen müssen und dazwischen der DPA ein Telefoninterview geben. Bevor Jens Spahn anrufen lässt und sie nach Rat fragt.

Jetzt werden alle sagen, aber ICH mach doch, WIR haben doch… — Ja?

JA?

Habt ihr? Alles ohne Paywall? Alles so, dass alle es verstehen? Auch als Video? Auch für Blinde? F*ck, tut euch zusammen, informiert die Menschen und helft dabei, dass wir diese Krise meistern. Spektrum, FAZ, ZEIT, Süddeutsche, ZDF und ARD, Blogger*innen und Youtuber*innen. T-Online, SPIEGEL, alle die reichweitenstarken Plattformen. Please. Schielt nicht auf die Zeile, die euch von anderen abhebt, schaut nicht, ob ihr die beste Expertin zuerst habt. Informiert die Menschen draußen. Tut euch zusammen. Es. Ist. Krise. Ihr. Könnt. Was. Tun. Richtig. Viel.

Spektrum (ohne Paywall): https://www.spektrum.de/wissen/wie-schuetzt-man-sich-vor-der-pandemie/1700384

Die FAZ: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/zahlen-zum-coronavirus-die-pandemie-im-ueberblick-16653240.html

Süddeutsche Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/thema/Coronavirus

ZEIT (übersichtlich und hilfreich, finde ich): https://www.zeit.de/thema/coronavirus

ARD (ich finde mich da nicht zurecht!): https://www.tagesschau.de/thema/coronavirus/

ZDF (auch hier weiß ich nicht, ob ich richtig bin): https://www.zdf.de/nachrichten/politik/blog-coronavirus-102.html

Robert-Koch-Institut (super viele Infos, mich erschlagen die ein bisschen, aber immer up-to-date): https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV_node.html

Johns Hopkins Universität  (mit super Grafik und neuesten Daten, halt auf Englisch): https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

WHO-Dashboard (ein bisschen wie Johns Hopkins, aber ich finde mich schwerer zurecht, ach ja: Dashboard heißt Armaturenbrett): https://experience.arcgis.com/experience/685d0ace521648f8a5beeeee1b9125cd

Wer den folgenden Menschen nicht folgt, ist selber schuld:

@c_drosten (Chefvirologe, Podcast-Experte, super cool, super informiert, super klug)

@Fischblog (hervorragende Einordnungen, Kodderschnauze und auf manche, die ihn nicht kennen, zynisch wirkend, aber ernst, wo es ernst sein muss)

@kakape (super Medizinjournalist, berichtet von der WHO)

 

4 Kommentare zu „Corona: Wie Medien in der Krise helfen könnten“

  1. Lieber Josef Namensvetter und Freund,

    ich habe das gelesen, wie fast alles, das Du schreibst, und nun stehe ich davor und frage mich, ob Du nicht auch in das allgemeine „Angstgeschrei“ mit einstimmst. Ich will Corona nicht unterschätzen, aber manchmal frage ich mich schon, ob hier nicht insgesamt etwas übertrieben wird: Um es an Zahlen deutlich zu machen: China hat 1.3 Mrd Menschen, davon waren/sind etwas über 80.000 Infiziert. Das sind weniger als 0,1 Promille, bei einer Todesrate von unter 4 Prozent wären das 0,04 Promille; gestorben sind weltweit gerade mal etwas über 3.000 Menschen!

    Epiktet sagt: „Nicht die Dinge machen uns Angst, sondern die Meinungen und Vorstellungen über die Dinge“. Genau das passiert mit der Potenzierung der Informationen. So frage ich mich, ob wirklich die Zahlen von Corona oder die Zahl der Angsthabende exponentiell steigen. Wenn Merkel von 70 Prozent für D spricht, wären das mehr als 50 Mio Menschen!! Ist das realistisch, oder ist das nur ein Mittel, um die Menschen zu Verhaltensänderungen zu zwingen? Wenn das ganze vorbei ist, werden wir eher Millionen Psychotherapeuten brauchen, um die Menschen wieder zu stabilisieren.

    Ja, wir brauchen, wie Du schreibst, gesicherte und sachlich korrekte Informationen, aber wir sollten dabei nüchtern und klar im Denken bleiben und nicht das ganze weiter mit Angst und Krisengeschrei schüren.

    Aber leider ist der Geist aus der Flasche: Da jeder schreiben und senden kann wie er will, wird es weiter diese Desinformationspoltiik geben.

    That‘s my two cents.
    Herzlicher Gruß
    Josef König

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    1. Lieber Josef, Freund und Namensvetter, es ist in der Tat schwierig. Nur: Genau das habe ich thematisiert. Ich zitiere mich selbst: „Ich meine, die Kacke ist bald richtig am Dampfen. Entweder wegen der Krankheit oder wegen der Hysterie oder der Ignoranz oder wegen allem. Schaut nach Italien. Schaut in die USA.“ — Der Geist ist aus der Flasche. Deshalb rufe ich Medienschaffende dazu auf, gemeinsame Sache zu machen.

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      1. Sorry, lieber Josef, aber ich hatte beim lesen den Eindruck, dass auch Du da etwas mit schürst und an Nüchternheit mangelst.
        Lieber Gruß
        Josef

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