Materialien

Hier finden Sie die Reportage aus der ZEIT, die wir im Kurs besprochen hatten:

http://www.zeit.de/2009/20/DOS-Opoku

Die Reportage fängt so an:

Die Opokus von nebenan

Eine Familie aus Ghana: Der Vater putzt in der Hamburger Oper, die Mutter in einem
Einkaufszentrum. Ihre vier Söhne sollen es in Deutschland einmal besser haben.
Deshalb tun die Eltern etwas, was kein Nachbar begreift: Sie schicken ihre Kinder auf
eine Privatschule

VON HENNING SUßEBACH

Da ist ein Mann auf seinem Weg zur Arbeit, wie leicht kann man ihn übersehen. Es
ist noch dunkel, kurz nach vier, als er mit bedächtigen Schritten die Treppen zum
U-Bahnhof Rauhes Haus hinabsteigt. Die Sohlen seiner Turnschuhe quietschen
leise auf den Kacheln, auf dem Bahnsteig in Richtung Innenstadt stellt er seine
Tasche ab. Er trägt eine dunkle Lederjacke und eine schwarze Jogginghose. Seine
Schirmmütze ist tief in die Stirn gezogen, fast wie ein Visier. Nichts Auffälliges ist
an ihm. Bis auf seine schwarze Haut.
Samuel Kwasi Opoku, geboren am 25. Januar 1948 in Ghana, ein kräftiger, nicht
sehr großer Mann vom Stamme der Ashanti, betritt diesen Bahnhof im Hamburger
Osten als Nachtgestalt. Wie ein stummer Alltagskomparse steht er am Gleis
und wartet. Allein mit sich und seinen Gedanken, die in der Bleischwere einer
ausklingenden Nacht immer zweifelnder sind als später, am Tag, wenn die Hektik
seine Fragen erstickt. Ist das, was er hier tut, das, was er tun wollte? Und was
werden seine Söhne machen, wenn sie einmal erwachsen sind?

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"Versprich nie einen Weltuntergang, den du nicht halten kannst"