wowk14-Nachtrag: Bedroht Kommunikation die Wissenschaft?

Weil es mir keine Ruhe lässt, was die Kommunikationswissenschaftler Frank Marcinkowski und Matthias Kohring da bei der wowk14 sagten, hier noch mal eine Einschätzung. Vorab die Bitte: Wenn ich die beiden Herren missverstanden habe, wie sie es mir auf der wowk14 entgegen hielten, bitte ich kundigere Leserinnen bzw. Teilnehmerinnen um Aufklärung, was die beiden Wissenschaftler gemeint haben könnten.

Eine Menge Kommunikatorinnen und ich haben Folgendes verstanden: Wissenschaft ist ein System mit eigener Logik („funktionale Autonomie“). Öffentlichkeit und Politik konstituieren ein anderes System mit anderer Logik („Medialisierung“). Öffnet sich nun die Wissenschaft hin zum anderen System – etwa durch Kommunikation (M&K sprachen vom Schielen nach Aufmerksamkeit) –, droht die Gefahr, dass die Werte von außen (Themen, die gerade en vogue sind, zum Beispiel) das System Wissenschaft stören. Wissenschaft werde nicht besser, wenn Leute zuschauten, hieß es etwa vom Katheder Podium. In der Vortragsankündigung nannten M&K die Störung „leistungshemmende Autonomiebeschränkung“.

Ich halte das nach wie vor für grundfalsch. Und zwar aus mehreren Gründen. Wie wird denn Wissenschaft besser? Ein zentrales Element guter Wissenschaft ist die Aufklärung von Irrtümern durch die Wissenschaft ebenso wie von Irrtümern in der Wissenschaft.

Das System Wissenschaft hat in der Tat strikte Evaluierungen, Peer Review-Verfahren und wählerische Journale mit hohem Impaktfaktor hervorgebracht, um die eigene Qualität zu sichern. Dass dieses System immer öfter versagt, habe ich leider aus dem System selbst nicht so oft gehört. Man sollte dem bloggenden Wissenschaftler Björn Brembs auf Twitter folgen oder seine Blogposts lesen, und wenn es schon ein Scientific Journal sein muss, er hat das auch dafür aufgeschrieben: Hoher Impaktfaktor korreliert nicht mit Qualität der Wissenschaft, wohl aber mit der Anzahl der zurückgezogenen Studien (Retraktionsrate). Hier geht es zur Studie.

Es hat sich eine Community gebildet, die den Wissenschaftlern sehr genau auf die Finger schaut. Öffentlichkeit bringt Fehler ans Licht und macht also Wissenschaft besser. Über die Arsenbakterien und die Seralini-Studie habe ich hier bereits im Zusammenhang mit Wissenschaftskommunikation gebloggt und Markus Dahlem hat meine S2S/S2L-Kommunikationsdifferenzierung aufgegriffen. Wenn ich mich recht an die Wissenschaftstheorie entsinne, würde dieser einzige Gegenbefund (Öffentlichkeit bringt Fehler ans Licht) allein schon reichen, den Quatsch zu widerlegen, wonach Wissenschaft am besten in Abgeschiedenheit von der Öffentlichkeit gedeihe.

Aber ich habe noch eine Hypothese, die auf einer Beobachtung aufbaut: Die Grüne Gentechnik ist in Deutschland nahezu nicht mehr erforschbar, weil die gesellschaftliche Akzeptanz völlig fehlt und Feldzerstörungen oft jahrelange Forschungsarbeit zunichte machen. Hier wird also durch eine in meinen Augen einseitig informierte gesellschaftliche Gruppe und deren Tolerierung eine Wissenschaftsdisziplin kaputt gemacht. Und das liegt für mich an einem Kommunikationsversagen eben dieser Wissenschaftsdisziplin. Gentechnik-Gegner haben besser erfolgreicher kommuniziert und so die Deutungshoheit gewonnen.

Und wenn ich mir die Anzeigen von radikalen Tierversuchsgegnern anschaue, die mit dem Einsatz von vielen hunderttausend Euro Neurowissenschaftler auf das Übelste diffamieren, wird mir Angst um die biomedizinische Forschung, die auf Tierversuche angewiesen ist. Hier hilft nur Transparenz von Seiten der Forschung. Beatrice Lugger hat das in ihren zehn Gründen für Kommunikation sehr schön formuliert: „Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch die verständliche Darstellung von Information. Sie benötigt den Dialog und die Transparenz.“ Man könnte auch sagen: Kommunikation.

Offenlegung: Ich kommuniziere seit vielen Jahren wissenschaftliche Inhalte, zunächst als Journalist, dann als Pressesprecher und Kommunikationschef. Ich habe für die Leibniz-Gemeinschaft gearbeitet, unter deren Dach Institute sind, die grüne Gentechnik erforschen und Tierversuche machen. Ich arbeite derzeit als Leiter der Abteilung Kommunikation für das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, das Tierversuche durchführt.

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16 Kommentare zu “wowk14-Nachtrag: Bedroht Kommunikation die Wissenschaft?”

  1. Der Satz „Wissenschaft wird nicht besser, wenn Leute zuschauen“ klingt auch für mich so, als sollte eine kritische Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Aber ich befürchte, dass er nicht zum Kern der Aussage von Marcinkowski und Kohring führt, und dass es nichts bringt, diesen Satz zu widerlegen. Marcinkowski und Kohring haben sicher nichts gegen eine kritische Öffentlichkeit. Was sie meiner Ansicht nach sagen wollten, war: Wissenschaft wird nicht besser, wenn sie sich am Tag der offenen Tür oder in einer Talkshow präsentiert. Das muss sie zwar von Zeit zu Zeit, weil die Steuerzahler einen Anspruch darauf haben zu erfahren, was mit ihren Fördermitteln passiert. Aber wenn sie es zu häufig macht, weil sie auf mehr Fördermittel und größere Anerkennung hofft, dann orientiert sie sich an den falschen Kriterien. (Wenn man an dieser Stelle in die Debatte einsteigt, kann man noch einiges diskutieren – etwa die Frage, ob nicht auch die Öffentlichkeit bei der Themenauswahl der Wissenschaft ein Wörtchen mitreden darf. Aber die These klingt nicht mehr so ganz abwegig, finde ich.)

    1. So gesehen ja. Aber so kam es nicht an. Und auch das würde ich gerne debattieren. Ich glaube, wir würden uns schnell einig, dass es unbedingt geschützte Räume für die Wissenschaft geben muss, wo sie ungestört ihren eigenen Logiken folgen kann und nicht den quick win (mediale Aufmerksamkeit, politische Anerkennung und damit Geld) suchen muss. Aber selbst das muss immer wieder verteidigt und also kommuniziert werden. Sie (M. & K.) haben außerdem selber noch sehr absurde Vergleiche gebracht, etwa den mit der Gerichtsbarkeit: Was wäre, wenn die Öffentlichkeit bei Urteilen mitreden könnte? Ja, klar, Volkszorn und so. ABER: Wir haben aus gutem Grund eine öffentliche Gerichtsbarkeit, die sich strikt der Beobachtung stellen muss und dabei aber dennoch ihre eigenen Logiken verteidigt. So wird ein Schuh draus: Eigene Logik ja, aber öffentlich machen.

    2. (2) Und doch, ich bleibe dabei. Ich widerlege ja nicht nur den Satz, sondern widerspreche fundamental: Kritische Öffentlichkeit macht Wissenschaft besser, und die herzustellen bzw. zuzulassen ist Aufgabe der Wissenschaftskommunikation bzw. der Wissenschaft selbst.

    3. „Wissenschaft wird nicht besser, wenn sie sich am Tag der offenen Tür oder in einer Talkshow präsentiert.“

      Das finde ich nicht. Wissenschaft wird besser nach einem Tag der offenen Tür. Eine Lange Nacht der Wissenschaften kann viele positive Auswirkungen haben: gesteigerte Motivation der teilnehmenden WissenschaftlerInnen, den Blick erweitern und die eigene Forschung im gesellschaftlichen Kontext sehen, sich mit ethischen Fragen auseinandersetzen… Mit jedem Gespräch über Tierversuche wurde mein Bewusstsein für die Verantwortung, die ich in dem Kontext trage, stärker. Mich hat der Kontakt zur Öffentlichkeit also durchaus zu einer besseren Wissenschaftlerin gemacht. Es sei mir bitte verziehen, wenn ich dabei auf der Ebene „Mensch“ argumentiere, aber ich finde sie gehört genauso zum System.

      Zweitens finde ich, dass wir gute praktische Beispiele dafür haben, dass Wissenschaftskommunikation das Wissenschaftssystem verbessern kann. Nehmen wir als Beispiel die säure-induzierten pluripotenten Stammzellen. Da war es kein investigativer Journalist, der den Fehler aufgedeckt hat. Es waren im Internet kommunizierende Wissenschaftler, die eine Diskussion gestartet haben und nach und nach die Fehler und die Nicht-Reproduzierbarkeit der Studie aufgedeckt haben. Für mich gehört das auch zu Wissenschaftskommunikation dazu, und diese Kommunikation unter Wissenschaftler ändert sich zur Zeit massiv. Es wurde nicht durch wissenschaftsinterne Kanäle kommuniziert, sondern durch offen zugängliche Kanäle im Netz. Keiner konnte also kontrollieren, ob die Öffentlichkeit an diese Information gelangt oder nicht – und in den Print Medien wurde auch darüber berichtet, also konnte jeder mitbekommen, wie Wissenschaft funktioniert. Es gibt also eine erhöhte Transparenz, die meiner Meinung nach der Wissenschaft nicht schadet, sondern den dem Publikationsdruck geschuldeten Fehlern im Wissenschaftssystem entgegenwirkt.

  2. Hmm, das ist nicht ganz trivial und ich denke, hier wird es auf das richtige Mass ankommen. Wissenschaft kann kein „Germany’s Next Topmodel“ werden und ein solches Mass an Öffentlichkeit tut sicherlich nicht gut. Das andere Extrem haben wir ja gewissermassen schon und das ist offensichtlich auch nicht sonderlich vorteilhaft.

    Wieviel Öffentlichkeit braucht die Wissenschaft?

    Wieviel Wissenschaft verkraftet die Öffentlichkeit?

    Die ‚Öffentlichkeit‘ wird die Wissenschaftler immer an Köpfen um Grössenordnungen übertreffen. Insofern ist es wohl eher Selbstüberschätzung, wenn wir meinten, wir könnten rein durch genug Transparenz die Akzeptanz gewisser Forschungsaspekte erhöhen. Da gehört vermutlich einiges mehr dazu, gerade in Anbetracht wohl finanzierter Ideologen: keine Menge an Vernunft vermag je gegen konzertierte Emotionen anzukommen. Aber: Emotionen sind kurzlebig, Vernunft aber dauert an. Ein steter Tropfen Vernunft ist die beste Medizin, sowohl gegen Tierversuchsgegner, Gentechnikgegner, Klimaleugner, Religion oder welchen Mantel sich die Irrationalität auch immer anzieht.

    Insofern ist vermutlich (aber da sollte man vielleicht Soziologen und Psychologen befragen) eine direkte Auseinandersetzung der Wissenschaftler mit der Öffentlichkeit nicht zwingend und automatisch förderlich, da sie natürlich gerade in Konfliktbereichen eine Interessengruppe darstellen. Eine Eine vorbildliche Transparenz des Wissenschaftsbetriebes generell kann jedoch auf zweierlei Wegen langfristig zum Ziel führen: Zum Einen Transparenz erhöht die Verlässlichkeit von Wissenschaft, sowohl nach Innen als auch nach Aussen. Zum anderen benötigt man Kompetenz um die Transparenz auch nutzen zu können, so dass die Öffentlichkeit wissenschaftlich gebildet sein muss, um überhaupt Nutzen aus der Transparenz zu ziehen – und wissenschaftliche Bildung ist der Grundstock gegen Irrationalität.

    Wissenschaft sollte sich der Öffentlichkeit also nicht durch Medienkampagnen und PR aufdrängen, aber sie sollte so zugänglich sein, dass man dann, wenn es wirklich wichtig ist, auf alles zugreifen kann, was wissenschaftlich und technisch möglich ist. Immerhin schaffen wir das Wissen der Welt – und da sollte die Welt ja auch vollen Zugang haben. Aus diesen Gründen würde ich persönlich es also sehr begrüssen, wenn sich ein Markt entwickeln würde, in dem eine wissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit Geld ausgeben würde, um Leute zu bezahlen, die anhand der neuesten Forschungsergebnisse wissenschaftliche Kompetenz auch nach der Schule vermitteln können.

  3. Ich finde die These, dass Wissenschaft durch den „Antrieb“ eines anderen Systems, etwa der Medien, beginnt fremde Ziele zu verfolgen, durchaus nicht abwegig und durchaus bedenkenswert.

    Ich kann diese Bedenken an einem Beispiel mal logisch herleiten: Institut XYZ beschäftigt sich mit dem Forschungsgebiet ABC. Bei der Pressearbeit für das Institut fällt auf, dass insbesondere die Themen aus dem Bereich A auf hohe Resonanz in den Medien stoßen, schlicht und einfach, weil sie medienrelevante Themen zum Inhalt haben (zB Kinder, Tiere, Gesundheit). Diese Pressemitteilungen führen zu vielen Artikeln in großen Zeitungen und auf Online-Portalen, das Institut wird auf diese Weise bekannter.

    Der Institutsdirektor hat von seinem Pressesprecher gelernt, dass Öffentlichkeitsarbeit dazu da ist, die Öffentlichkeit und damit auch die Geldgeber darüber zu informieren, was mit den Steuergeldern passiert. Dies würde auch helfen, bei den Förderern eine „positive Grundstimmung“ für das Institut zu erzeugen, jeder Förderer schmücke sich ja schließlich gern mit Dingen, die in der Zeitung stehen.

    Bei der nächsten Besetzung einer Juniorprofessur hat der Institutsdirektor diesen Sachverhalt im Hinterkopf. Er sieht vor seinem inneren Auge die Schlagzeilen und entscheidet sich für das „medienwirksamere“ Forschungsthema zum Nachteil eines medial eher „langweiligeren“ aber wissenschaftlich eventuell viel relevanteren Themas, sichert ersteres seinem Institut doch in jedem Fall mediale und öffentliche Aufmerksamkeit, unabhängig von der wissenschaftlichen Relevanz der Forschungsergebnisse. Soetwas nennt man Marketing. Die Wissenschaft würde auf diese Weise beeinflusst durch die Gesetze eines anderen Systems, nämlich des Systems der medialen Aufmerksamkeit. Ich möchte behaupten, dass es solche Entscheidungen in der Wissenschaft bereits gibt…

    Wie das funktioniert, habe ich oft genug selbst erlebt. Beim Gespräch mit Wissenschaftlern tun sich unendlich viele spannende Themen auf, spricht man über solche Themen dann mit Redakteuren kommerzieller Medien, zucken diese nur müde die Schultern und sagen: Schön, aber das interessiert unsere Leser nicht. Der Presseverantwortliche des Instituts läuft irgendwann auch mit dieser Redakteursbrille durchs Haus und denkt: Was interessiert die Leser?

    Die Lösung könnte vielleicht mehr Wissenschaftsberichterstattung jenseits der kommerziellen Medien sein. Mit Wissenschaftsblogs passiert das schon. Aber auch hier würden vermutlich früher oder später die Gesetze der medialen Aufmerksamkeit zuschlagen. Was keiner lesen will, wird auch irgendwann keiner mehr schreiben…

  4. Josef,
    ich finde, dass Christine Vollgraf genau den Punkt getroffen hat. Die ganze Sache ist banaler, als man denkt und kompliziert ausdrückt: Wissenschaftler bekommen, wenn sie ihre Forschung dem breiten Publikum mal erklären, plötzlich eine Aufmerksamkeit, die ihnen sonst nicht zuteil wird. Außerdem ist diese Aufmerksamkeit leichter verdient. Also kommt der Gedanke auf, warum nicht Forschungsprojekte angehen, die in der breiten Öffentlichkeit Aufmerksamkeit und Akzeptanz erhalten … Und da neben Schauspielern kaum eine Volksgruppe so Eitel ist, wie die der Wissenschaftler, bekommt Marketing Einfluss auf die Wissenschaft.
    Könnte man so annehmen – aber hier liegt auch der Haken. Man muss dann voraussetzen, dass viele Wissenschaftler nicht von intrinsischer Motivation geleitet werden, sondern von öffentlicher Wahrnehmung und Eitelkeit – und sich daher von solchen Motiven korrumpieren lassen. Daher habe ich auf der Veranstaltung die beiden gefragt, ob sie so eine schlechte Meinung von ihrer Zunft haben, dass sie glauben, sie ließe sich aus Eitelkeit korrumpieren? Einen Widerspruch habe ich in der Antwort nicht herausgehört.

    VG Josef

    1. Lieber Josef,
      Du hast Recht. Nur spricht über diese Dinge keiner oder kaum einer aus dem System selbst. Wer sollte das auch tun? Kommunikatoren sind abhängig Beschäftigte oder Auftragsnehmer, und über die eigene Eitelkeit wird eher selten gesprochen. Ich hatte und habe das Glück, es mit Ausnahmen zu tun (gehabt) zu haben. Aber ich kenne die Regel durchaus.
      Grüße retour
      Josef

    2. Ich weiß garnicht, ob dass unbedingt nur mit Eitelkeit zu tun hat. Jede Evaluierung und Begutachtung fragt heute auch nach Presseabdrucken. Die sicherste Methode, in die Presse zu kommen, ist presserelevante Themen zu beforschen. Den Effekt kennen wir doch alle: Es gibt ein Nature-Paper, wo es darum geht dass die MicroRNA-24p-plusY die Erhöhung der Auschüttung des Botenstoffs Brp-0815 für die schnellere Öffnung des Calcium-Kanals BrKs(ya)92 verringert was zu besseren Rezeption des Co-Faktor CoSY13 am Rezeptor für die Regelung des Signals für……(puuhh), was letztlich zur besseren Durchblutung des Herzmuskels führt.
      Eine andere Studie besagt, dass es für das Risiko Herz-Kreislauferkrankungen zu bekommen besser ist, täglich mittags einen halben Liter Olivenöl zu trinken als um Mitternacht 20 Kniebeugen zu machen. Das kann sich der Ö-Arbeiter noch so viel Mühe geben mit dem Text über das Natur-Paper. Thema 2 wird ihm, auch wenn es schludrig geschrieben ist, aus den Händen gerissen, für Thema 1 interssiert sich keiner. Das verleitet schon dazu, Themen wie das letztere bewusst ins „Forschungsportfolio“ aufzunehmen und sie sind ja deswegen nicht wissenschaftlich unsinnig (außer in diesem fiktiven Beispiel). Nur die Entscheidung dafür wurde eben nicht aus rein wissenschaftlichen Gründen getroffen.

  5. @Josef, wer, wenn nicht wir in unseren Debatten, sollte darüber sprechen? Schließlich ist das unser Job, und wir leben häufig genug vom Neid und von der Eitelkeit in den Institutionen, die wir öffentlich präsentieren. Also müssen wir auch fragen, ob es so ist und ob nicht tatsächlich viel mehr intrinsische Motivation in der Forschung steckt, als vermutet wird und daher K&M einem Fehlschluss unterliegen. Diese Debatte gehört zu unserem Handwerk.
    Insgesamt heißt das nicht, dass „die Wissenschaftler so handeln“, sondern es gibt „solche und sonne …“ Die meisten, denen ich begegnet bin, haben bei aller Eitelkeit, die ihnen zueigen ist, dennoch die Qualität der Wissenschaft hoch gehalten und haben sich eher darüber mokiert, dass wir auch mal ein Paper öffentlich verarbeitet haben, das in einem Journal von nur niedrigem Impactfactor kam, aber das Thema gut war. Ich denke, dass in allen unseren Kommunikationsgruppen sehr unterschiedliche Menschen arbeiten und Du wirst beides – sowohl Auswüchse als auch ehrliche Motive in den Gruppen finden.
    Was mich übrigens in der ganzen Debatte doch verwundert, ist die offenkundige Naivität von Journalisten. Es ist doch selbstverständlich, dass Pressesprecher, bei aller Redlichkeit ihrer Arbeit, dem Motto verpflichtet sind, „wes Brot ich es, des Lied ich sing“, und von ihnen zu erwarten, dass sie negativ über ihre Wissenschaftler berichten sollen, ist mehr als naiv. Auch ein SZ-Journalist wird sich hüten, seinen Kollegen in der Redaktion der falschen Berichterstattung wegen zu demaskieren!

    @Christine Vollgraf: Natürlich können gute Pressesprecher/Kommunikatoren auch die Naturestudie gut erklären, selbst wenn das etwas mehr Mühe kostet. Leider haben in letzter Zeit nature und science und pnas etc häufig genug auch Mist veröffentlicht, das wieder zurück gezogen werden musste.
    Aber die Oliven-Studie entlarvt auch eine naive Öffentlichkeit sehr schnell als Marketing der Olivenbetreiber (daher auch die großen Glaubwürdigkeitsprobleme der Rotwein-Studien – wobei ich bei diesen weniger die Glaubwürdigkeit als viel mehr den Geschmack als entscheidenden Faktor betrachtet 😉

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