Großwild, Störe und Tomaten

Großwild, Störe und Tomaten
Die Lange Nacht der Wissenschaften zog am 13. Juni Publikumsströme in die Urania in Berlin-Charlottenburg.

„De Wiseschaft hat festgestellt, der Rejewald wird immä wenije“ wiederholt die Stimme immer wieder. Sie gehört zu einem der Gewinnerbeiträge eines Kurzfilmwettbewerbes, der im Rahmen der UN-Biodiversitätskonferenz 2008 stattfand.

Es ist der 13. Juni und somit „Lange Nacht der Wissenschaften“. Die Filme sind an diesem Tag zum ersten Mal in Berlin zu bewundern. Die Veranstaltung zieht, wie auch in den vergangenen Jahren, wieder ein großes Publikum zu verschiedensten Veranstaltungsorten in Berlin, Potsdam und Umgebung: so auch in die Urania in Berlin-Charlottenburg.
Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) stellt, neben anderen Ausstellern, einige seiner Forschungsgebiete vor.

17:30 Uhr: Mit einem Podiumsgespräch beginnt die wohl klügste Nacht des Jahres.
Bis spät in die Nacht hat der interessierte Besucher hier nun eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich mit den verschiedenen Forschungs- und Tätigkeitsfelder der Institute bekannt zu machen.
Die ausgestellten Themen sind breit gefächert: von ökologischen, über medizinische bis hin zu industriell relevanten Bereichen ist alles vertreten.

Jörn Geßner zum Beispiel stellt einen der ökologischen Bereiche vor. Er ist mit seinen, an mittelalterliche Ritter erinnernden, Jungstören angereist. Geßner engagiert sich für die Wiederansiedlung des Störs in Nord- und Ostsee.

Nebenan wird in anschaulicher Weise ein neues innovatives Gewächshaus vorgestellt, in dem Tomaten gezogen werden sollen und zugleich eine Fischzucht integriert ist. Die Besonderheit dieser Symbiose: Das Gewächshaus versorgt sich beinahe selbst. Mit Hilfe von Solartechnik wird Strom erzeugt und die Düngemittel, die für das Wachstum der Tomaten von Nöten sind, fallen als Abfallprodukt bei der Fischzucht an. Verbunden werden diese beiden Bereiche durch ein ausgeklügeltes System von Pumpen und Filtern.

Ein paar Stände weiter erwartet den interessierten Besucher ein bizarrer Anblick: Der Stand von Ilka Lutz und Werner Kloas stellt die Auswirkung von hormonell wirksamen Stoffen auf Gewässer vor. In mehreren Aquarien können hier die verschiedenen Entwicklungsstufen des Südafrikanischen Krallenfrosches bewundert werden. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch eines der Bassins klar aus der Reihe. Es enthält überdimensionale Kaulquappen, mit Hilfe derer die Einwirkung von Pestiziden und anderen Chemikalien auf Gewässer bewiesen werden können. Ein bestimmtes Pestizid hemmt die Metamorphose zum Frosch, lässt die Kaulquappen jedoch weiterhin wachsen. „Diese besondere Froschart erfreut sich schon seit langem des wissenschaftlichen Interesses“, bekommt die Biologie Studentin Inka Prahm an diesem Stand erklärt. „Sie wurden früher als lebende Schwangerschaftstests eingesetzt“. Die Studentin fragt nach und bekommt das etwas merkwürdige Verfahren dieses frühen Schwangerschaftstest erklärt, bei dem der Urin der Frau auf den weiblichen Frosch gegeben wurde. Leichte er daraufhin, war der Test positiv und die Schwangerschaft der Frau somit bewiesen.

Vom sprichwörtlichen Elfenbeinturm keine Spur, bei den Forschern wird Nähe zum Publikum großgeschrieben. Keine Frage, die nicht zumindest den Versuch findet beantwortet zu werden. Kein komplizierter wissenschaftlicher Sachverhalt, der nicht anschaulich erklärt werden kann.

Für die ebenfalls zahlreich erschienen Kinder gibt es verschiedenste Mitmachangebote, die mit großer Begeisterung wahrgenommen werden. So können die kleinen Besucher angeln und ihre Fänge bestimmen, gruselig erscheinende bleiche Schädel und Knochen dem entsprechenden Tier zuordnen oder Wasserproben mikroskopieren. Absolutes Highlight ist jedoch ein Stand an dem die Kinder ihre Fähigkeiten als Großwildärzte erproben können. Aufgabe: Treffe Papphyäne mit Blasrohr. Um den Anreiz zu erhöhen winken den potenziellen Nachwuchsforschern für Gelerntes und erledigte Aufgaben kleine Preise.

„Das Publikum, das den Weg in die Urania gefunden hat, war sehr interessiert. Teilweise fachkundige Besucher haben das Spektrum der Fragen und Diskussionen vergrößert“, so Jörn Geßner im Nachhinein. Auch das thematisch vorgebildete Publikum fand Zusatzinformationen. Er lobt auch das hilfsbereite Personal der Urania, welches die Urania als tollen Veranstaltungsort auszeichne.

Alles in allem ein erfolgreicher Abend für alle, der auch dieses Jahr wieder die Vorfreude aufs nächste Jahr und eine weitere „Lange Nacht der Wissenschaften“ schürt.

Reportage von: Johannes Kersten

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Die lange Nacht der Studenten

Text von Susanne Halbeisen

13. September, FMP: Während Dr. Wiesner interessierten Erwachsenen mit Hilfe von Präsentation und Live-Experimenten demonstriert, wie die Leibniz-Institute Grundlagenforschung betreiben, leisten Berliner Biochemiestudenten im Erdgeschoss andere Pionierarbeit: im „Science Fair“ wollen sie Kindern die Chemie nahe bringen. Jörn Saupe, Doktorand an der FU, demonstriert, wie Aspirin sich im Körper verteilt. Bei seinem Versuch sind die Kinder vor allem von der knalligen lila Farbe begeistert, die sich ergibt, sobald die Stoffe reagieren. Auf einer Infotafel hinter ihm versucht man, möglichst einfach die Prozesse im Körper zu veranschaulichen. Manchmal räumt Saupe fast schon entschuldigend ein, dass Eltern den Versuch wohl eher verstehen, und dass die Kinder selbst wahrscheinlich noch nie Aspirin genommen haben. Ein paar Minuten dauert der Besuch, danach kommt die nächste Familie, und Saupe wiederholt das Experiment. Bis 23 Uhr muss er durchhalten. Trotzdem frustriert ihn die Arbeit nicht, schließlich ist er freiwillig hier. „Die Lange Nacht ist im Prinzip eine gute Sache“, meint er.

 

Ein paar Schritte weiter erklären Lisa Fischermeier und Georg Krainer die Katalase. Ein kleiner Junge soll Wasserstoffperoxid (bekannt aus Haarbleichemitteln) mit Schweineblut mischen. Es kommt vor, dass sich die Kinder ekeln, aber die Diplomanden reden ihnen immer wieder gut zu. Sie möchten vor allem, dass die Besucher ihre Scheu überwinden. „Eigentlich ist Laborarbeit nichts anderes als das, was hier gezeigt wird“, meint Krainer. Bei diesem Versuch verwandeln sich Schweineblut und Wasserstoffperoxid in eine großen Menge rosa Schaum. Die Kinder werkeln begeistert mit Pipette, Handschuhen und überdimensionalen Pinzetten herum – da kommt es manchmal vor, dass Mutti oder Vati den Sprössling zurückhalten muss, damit er sich erst einmal erklären lässt, worum es im Experiment überhaupt geht. Die Studenten nehmen es gelassen. Ihnen ist es wichtig, den Familien auf diese Weise ihr Fach näher zu bringen. Beide sind freiwillig hier, schon zum zweiten Mal. Das Experiment durften sie zwar nicht auswählen, aber das Erklärungsposter haben sie selbst gemacht. Woher rührt die Begeisterung für Biochemie? Krainer meint, dass er selbst lernen will, was im eigenen Körper passiert.

 

Am Ende des Gangs sorgt Sina Meyer dafür, dass der Nachwuchs an den Händen schwitzt. Eine ganze Horde lachender Kinder rubbelt fröhlich an ihren Gummihandschuhen, während die Doktorandin ein kleines Mädchen auffordert, ihre Handfläche auf ein Blatt Papier zu drücken. Danach besprüht sie es mit einer Lösung, in der Ninhydrin enthalten ist.  Mithilfe einer Art Fön wird ein purpurfarbener Handabdruck sichtbar – auch „Ruhemanns Purpur“ genannt. Mit der Lösung und der Wärme wurden Aminosäuren im Schweiß sichtbar gemacht. „Jeder versteht eben, soviel er kann“, sagt Meyer, und überreicht dem Mädchen ihren persönlichen Handabdruck. Hier ginge es nicht darum, die Kinder zu belehren, sondern ihr Interesse am Fach zu erwecken. Der Versuch kam schon in den zwei Jahren davor gut an und wird wohl auch nächstes Jahr wieder gezeigt werden. Ob Meyer ihn wieder selbst durchführt, weiß sie nicht. Aber bisher gab es immer genügend Freiwillige.

Seminararbeiten

Hier haben Sie / habt ihr Arbeiten der Studenten gelesen: Übungen im journalistischen Schreiben. Diese Texte sind ausdrücklich nicht zur Veröffentlichung oder Weiterverbreitung gedacht.

"Versprich nie einen Weltuntergang, den du nicht halten kannst"

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