Darwin erleben!

Die Lange Nacht der Wissenschaften

Darwin erleben!

„Die lange Nacht der Wissenschaften“ zeigt exemplarisch, wie sich die Wissensvermittlung verändert hat. Wo früher nur angucken erlaubt war, darf heute mitgemacht werden.

 

Nils Markwardt

Martina Rissberger strahlt Begeisterung aus – Begeisterung für das Thema und Begeisterung dafür, es den Besuchern näher zu bringen. Die zierliche Diplom-Bibliothekarin, die als Leiterin der Bibliothek für Zoologie und Mineralogie des Naturkundemuseums sonst eher selten im direkten und ausführlichen Austausch mit Besuchern steht, referiert an diesem Abend über zwei Wissenschaftsstars des 19. Jahrhunderts – Joseph Wolf und John Gould. Die bekanntesten Tierillustratoren ihrer Zeit waren beide persönlich mit  Charles Darwin bekannt und fertigten Zeichnungen für seine Expeditionsberichte an – Tiermaler im Auftrag der Evolutionstheorie. Bis zum Ende der Führung wird man nicht nur viel über ihren jeweiligen Lebenslauf, ihre bevorzugten Motive, ihre Arbeitsweisen und ihren kulturhistorischen Einfluss erfahren, sondern man wird auch ihre sonst nicht ausgestellten, kiloschweren Werke selbst in Augenschein nehmen können. Als Martina Rissberger dann schließlich auch die letzte Frage eifrig beantwortet hat und die Zuhörer aus der Bibliothek geleitet, bleibt nicht nur das Gefühl, dass alle Führungsteilnehmer, wissend wieder etwas gelernt zu haben, zufrieden sind. Auch die Wissenschaftlerin Rissberger vermittelt den authentischen Eindruck Freude gehabt zu haben, die sonst in den Regalen lagernden Zeichnungen einem Publikum präsentieren zu können.

Führungen wie diese verkörpern auf nahezu ideale Weise die Idee der „langen Nacht der Wissenschaften“. Einmal im Jahr öffnen  dutzende Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsinstitutionen oder wissenschaftliche Einrichtungen ihre Türen für Besucher und offenbaren exklusive Einblicke hinter die Kulissen, laden zum Mitmachen bei verschiedenen Aktionen ein und bieten Interessierten den Dialog mit Forschern an. Und im Idealfall sind am Ende beide zufrieden – Besucher und Wissenschaftler. Dass diese erstmals 2001 in Berlin durchgeführte, mittlerweile aber auch in anderen Städten wie Dresden, Nürnberg oder Rostock etablierte „klügste Nacht des Jahres“ tatsächlich von den Bürgern sehr gut angenommen wird, zeigen die jährlich steigenden Besucherzahlen. So konnten die 67 teilnehmenden Einrichtungen in Berlin und Potsdam auch bei der diesjährigen Nacht am 13. Juni abermals ein Besucherrekord vermelden.

„Die lange Nacht der Wissenschaften“ ist mit der Idee die Besucher in die Welt der Wissenschaft mit einzubeziehen jedoch kein singuläres Ereignis, sondern dokumentiert als herausragendes Beispiel einen sich seit einigen Jahren vollziehenden Wandel in der deutschen  Museumslandschaft und der institutionellen Vermittlung von Wissen und Wissenschaft. Museen galten hierzulande in bester akademistischer Tradition lange als Orte, in denen  kein Beiwerk von der Wirkungskraft der Exponate ablenken durfte und Betrachter eine nüchterne, kontemplative Anschauung praktizieren sollten. Denn heiter ist bekanntlich maximal die Kunst, Wissenschaft hingegen eine sehr ernste Angelegenheit. Gegen diesen elitären Ansatz, der vornehmlich den fachkundigen Kenner als Besucher fokussierte, hat sich mittlerweile die Idee einer integrativen und partizipativen Wissensvermittlung, einer Wissensvermittlung, die den Besucher „abholt“ und mitgestalten lässt, weitestgehend durchgesetzt. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch am Beispiel des Berliner Naturkundemuseums.

Das 1889 eröffnete und weltweit renommierte Haus nutzte die 2005 nötig gewordenen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten um eine Neujustierung und Modernisierung der Museumskonzeption vorzunehmen. Bei der Wiedereröffnung 2007 fanden die Besucher  die Dauerausstellung dann um eine Vielzahl multimedialer und interaktiver Komponenten erweitert. Von nun an konnte man durch einen Blick in eines der „Juraskope“ die riesigen Dinosaurierskelette im Lichthof per Computersimulation wieder zum Leben erwecken, in „dynamischen Legenden“ mittels Touchscreen-Bedienung weiterführende Informationen erhalten oder auf einem Sofa liegend der videoanimierten Geschichte des Universums folgen. Dass sich dieser Trend bis heute fortgesetzt hat, zeigt die aktuelle Sonderausstellung anlässlich des 200. Geburtstags Darwins. Wer den mit Schiffsbohlen vertäfelten und maritimen Requisiten ausgestatteten Raum betritt und sogleich seichte Wellengeräusche aus den installierten Lautsprechern vernimmt, merkt schnell, dass hier keine meterlangen Glasvitrinen warten. Stattdessen soll der Besucher sich direkt auf die HMS Beagle versetzt fühlen. Erläuterungen zu den berühmten Darwin-Finken, Käfersammlungen oder Muscheln finden sich in kleinen Leinenheftchen, kurze Filme über Darwins Expeditionen werden in Holzfässer projiziert. Die Macher der Darwin-Ausstellung setzen auf ein umfangreiches Repertoire an optischen, akustischen und haptischen Elementen, auf thematische Inszenierung, auf Emotionalisierung. Wenngleich man an diesem Punkt der Ausstellung ein wenig das Gefühl bekommen  mag, dass der Einsatz der inszenatorischen und spielerischen Komponenten sich bereits an der Grenze zur Überdosierung bewegt, sollte man sich jedoch zur Gegenprobe nur vorstellen, wie viel Interesse die hier versammelten, eher unspektakulären Exponate in einem einfachen Raum mit sterilen Schaukästen wecken würden – wahrscheinlich wenig. Denn was diese neuen Ausstellungskonzepte und Aktionen wie „Die Lange Nacht der Wissenschaften“ zeigen, ist, dass die Vermittlung von Wissen und Wissenschaft auch unterhaltend sein kann und darf. Besonders Kindern und Jugendlichen kann so ein Zugang zu schwierigen und schwer vermittelbaren Themen geboten werden. Aus bildungspolitischer Sicht werden hier, im technisch-ökonomischen Jargon gesprochen, Anreize für anfangs weniger Interessierte geschaffen. Wer heute ins Naturkundemuseum geht, der kann nicht nur mittels meditativer Anschauung,  sondern eben auch durch spielerisches Mitmachen lernen.

Freilich bleibt trotz aller Euphorie der zentrale Einwand der Kritiker dieser integrativen Konzepte nicht vollkommen unberechtigt. Museen und Wissenschaftseinrichtungen dürfen nicht zur austauschbaren Kulisse technischer Spielereien und trivialisierender Inszenierungen werden, sodass Ausstellungsstücke und tiefgehender Erkenntnisgewinn zur bloßen Nebensache werden. Interaktive und multimediale Angebote sollten mit Augenmaß eingesetzt werden, damit die Vermittlung von Wissen nicht dem bloßen Diktat des Spektakels weicht. Richtig ein- und umgesetzt versprechen diese Konzepte jedoch ein wirklicher Gewinn zu sein. Das Naturkundemuseum bringt dafür den Beweis. Dass aber selbst hier noch Potentiale vorhanden sind, zeigt ein Blick nach Großbritannien. Das Natural History Museum in London bietet das, was in Deutschland im Zuge der „langen Nacht der Wissenschaften“ einmal im Jahr stattfindet, wöchentlich und täglich an. Bei den sogenannten „Natur Live Events“ können Besucher täglich mit Wissenschaftlern und Kuratoren über verschiede Themen diskutieren – und wer keine Zeit hat ins Museum zu kommen, kann die Veranstaltung via podcast im Internet verfolgen. Auch der Blick hinter die Kulissen ist hier gewissermaßen bereits institutionalisiert. Im Darwin-Centre, dem neuen, architektonisch-imposanten Anbau des Museums, das im September 2009 seine Türen für Publikum öffnet, werden die Besucher mehrmals die Woche die Möglichkeit haben, Forschern bei ihrer Arbeit über die Schultern zu schauen.

Das Natural History Museum in London und das Berliner Naturkundemuseum zeigen somit, dass sich eine hochqualifizierte Spitzenforschung, interaktive, multimediale und spielerische Angebote und eine ernsthafte Wissensvermittlung nicht ausschließen. Sie zeigen darüber hinaus auch, dass Museen und öffentlich zugängliche Wissenschaftseinrichtungen zur Vermittlung ihres Wissens und ihrer gesellschaftlichen Relevanz zunehmend auf den Austausch und den Dialog mit den Besuchern setzen. Martina Rissberger hat vermutlich nichts dagegen einzuwenden.

Atomschichten und Nachtschichten

(Anmerkung: ich habe den Artikel ursprünglich auch mit Bildern versehen. Wer die Reportage also als PDF mit Bildern sehen will, klicke bitte hier: http://innsinn.wordpress.com/2009/07/01/4/
Passwort: nacht)

von Claudio Winter

Aus einzelnen Atomen Halbleiterschichten zusammenbauen, das ist Alltag am Paul-Drude Institut für Festkörperelektronik. Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften erklärten Forscher den Besuchern, wie das Ganze funktioniert.

Normalerweise sind die Räume des Paul-Drude Instituts abgedunkelt, die Türen geschlossen und es herrscht Redeverbot. Denn schon die kleinste Erschütterung verfälscht die Messwerte. Doch an diesem Samstagabend nimmt Achim Trampert es nicht so genau. Er steht vor seinem Arbeitstisch und demonstriert einer sechsköpfigen Gruppe interessierter Besucher, wie ein Elektronenmikroskop funktioniert. Seine stolze Stimme bringt die Mikroskopie zum wackeln.
Das Paul-Drude Institut beteiligt sich dieses Jahr zum zweiten Mal an der Langen Nacht der Wissenschaften. Es nimmt also Teil an jenem seltsamen Ritual, in dem sich über Nacht eine Unzahl Berliner Forschungseinrichtungen verwandeln – von fremdartigen Kathedralen des Wissens in Entdeckungshallen für Groß und Klein.
„Im letzten Jahr hat uns der große Andrang alle überrascht. Wir hatten nicht damit gerechnet, da unsere Forschungsgebiete schwer zu veranschaulichen sind,“ sagt Manfred Ramsteiner nach seinem Vortrag über die Zukunft elektronischer Datenspeicher.
Doch obwohl sich in der Nanotechnologie tatsächlich Vieles dem menschlichen Auge entzieht, mangelt es an diesem Abend nicht an bleibenden Eindrücken. Oliver Spauka beispielsweise zeigt sich beeindruckt von der Präzision des Elektronenmikroskops, das sogar einzelne Atome sichtbar machen kann. Er hat einst Elektrotechnik studiert, bekommt durch seinen Beruf aber keine Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten. „Das mal live zu sehen, was man sonst nur aus Lehrbüchern kennt, ist schon interessant,“ erklärt er.
Noch mehr Eindruck macht das Herzstück der sogenannten Molekularstrahlepitaxie-Anlage, das aussieht wie eine Mischung aus Taucherglocke und Oktopus. Dieses seltsame Geschöpf verfügt über eine besondere Fähigkeit: Es kann Kristallschichten zusammenbauen – und zwar Atomschicht für Atomschicht.
Über die Oktopusarme gelangen einzelne Atome bestimmter Stoffe, beispielsweise Gallium und Arsen, in die Taucherglocke. In einer Petrischale setzen sie sich dann zu einer Kristallschicht zusammen. „Es ist energetisch ungünstig, dass sich ein Atom über der wachsenden Schicht anlagert – es huscht in eine leere Stelle auf der wachsenden Schicht,“ erklärt Institutsdirektor Henning Riechert.
Noch interessanter wird es, wenn man diesen Prozess nutzt, um Atome so übereinander zu schichten, wie sie in der Natur normalerweise nicht vorkommen. Riechert resümiert: „Der Clou dabei ist: Indem wir verschiedene Materialien zusammen bringen, erzeugen wir völlig neue Funktionalitäten.“
Der Anwendungsbereich der gewonnenen Materialien ist dementsprechend groß: Ob Leuchtdiode, Blu-Ray Disc oder Handy – sie alle machen sich neue Eigenschaften von Halbleitern zunutze, an deren Untersuchung und Herstellung das Paul-Drude Institut beteiligt ist.
Da scheint es nur angebracht, dass der wissenschaftliche Mitarbeiter Lutz Schrottke die Lange Nacht vorrangig als Möglichkeit begreift, den Menschen zu zeigen „wo ihre Steuergelder bleiben.“ Deshalb nimmt er auch in Kauf, dass die Vorbereitungen für ihn und seine Kollegen vordergründig zunächst einmal eins bedeuten: zusätzliche Arbeit. Man fertigt Poster an. Man plant Rundgänge durch das Gebäude und eine Vortragsreihe. Man redet sich bis 1 Uhr nachts den Mund fusslig, um den Besuchern verständlich zu machen, was da auf atomarer Ebene vor sich geht. Deren Reaktionen reichen dann „von Interesse bis Verständnislosigkeit,“ schmunzelt Schrottke.
Doch die Mühe zahlt sich aus, wenn die Gäste so begeistert reagieren wie etwa der zehnjährige Felix Schaaf: „Das ist die Technologie der Zukunft, das muss man einfach gesehen haben!“ Sein Vater stimmt ihm zu: „Die Gelegenheit, eine solche Einrichtung von innen zu sehen, gibt’s sonst nie.“ Eigentlich ist die Familie Schaaf aus Koblenz nach Berlin gefahren, um Verwandte zu besuchen. Doch die Lange Nacht der Wissenschaften hat schnell einen festen Platz in ihrem Abendprogramm eingenommen. „Das einzige Problem ist, dass sie bei dem riesigen Angebot nur eine Nacht dauert.“
Möglich, dass Achim Trampert dem zustimmen würde. Denn nach dem kurzen Wochenende wird auch er wieder allein vor seinem Elektronenmikroskop sitzen. Schweigend, hinter geschlossenen Türen. – Claudio Winter

Großwild, Störe und Tomaten

Großwild, Störe und Tomaten
Die Lange Nacht der Wissenschaften zog am 13. Juni Publikumsströme in die Urania in Berlin-Charlottenburg.

„De Wiseschaft hat festgestellt, der Rejewald wird immä wenije“ wiederholt die Stimme immer wieder. Sie gehört zu einem der Gewinnerbeiträge eines Kurzfilmwettbewerbes, der im Rahmen der UN-Biodiversitätskonferenz 2008 stattfand.

Es ist der 13. Juni und somit „Lange Nacht der Wissenschaften“. Die Filme sind an diesem Tag zum ersten Mal in Berlin zu bewundern. Die Veranstaltung zieht, wie auch in den vergangenen Jahren, wieder ein großes Publikum zu verschiedensten Veranstaltungsorten in Berlin, Potsdam und Umgebung: so auch in die Urania in Berlin-Charlottenburg.
Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) stellt, neben anderen Ausstellern, einige seiner Forschungsgebiete vor.

17:30 Uhr: Mit einem Podiumsgespräch beginnt die wohl klügste Nacht des Jahres.
Bis spät in die Nacht hat der interessierte Besucher hier nun eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich mit den verschiedenen Forschungs- und Tätigkeitsfelder der Institute bekannt zu machen.
Die ausgestellten Themen sind breit gefächert: von ökologischen, über medizinische bis hin zu industriell relevanten Bereichen ist alles vertreten.

Jörn Geßner zum Beispiel stellt einen der ökologischen Bereiche vor. Er ist mit seinen, an mittelalterliche Ritter erinnernden, Jungstören angereist. Geßner engagiert sich für die Wiederansiedlung des Störs in Nord- und Ostsee.

Nebenan wird in anschaulicher Weise ein neues innovatives Gewächshaus vorgestellt, in dem Tomaten gezogen werden sollen und zugleich eine Fischzucht integriert ist. Die Besonderheit dieser Symbiose: Das Gewächshaus versorgt sich beinahe selbst. Mit Hilfe von Solartechnik wird Strom erzeugt und die Düngemittel, die für das Wachstum der Tomaten von Nöten sind, fallen als Abfallprodukt bei der Fischzucht an. Verbunden werden diese beiden Bereiche durch ein ausgeklügeltes System von Pumpen und Filtern.

Ein paar Stände weiter erwartet den interessierten Besucher ein bizarrer Anblick: Der Stand von Ilka Lutz und Werner Kloas stellt die Auswirkung von hormonell wirksamen Stoffen auf Gewässer vor. In mehreren Aquarien können hier die verschiedenen Entwicklungsstufen des Südafrikanischen Krallenfrosches bewundert werden. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch eines der Bassins klar aus der Reihe. Es enthält überdimensionale Kaulquappen, mit Hilfe derer die Einwirkung von Pestiziden und anderen Chemikalien auf Gewässer bewiesen werden können. Ein bestimmtes Pestizid hemmt die Metamorphose zum Frosch, lässt die Kaulquappen jedoch weiterhin wachsen. „Diese besondere Froschart erfreut sich schon seit langem des wissenschaftlichen Interesses“, bekommt die Biologie Studentin Inka Prahm an diesem Stand erklärt. „Sie wurden früher als lebende Schwangerschaftstests eingesetzt“. Die Studentin fragt nach und bekommt das etwas merkwürdige Verfahren dieses frühen Schwangerschaftstest erklärt, bei dem der Urin der Frau auf den weiblichen Frosch gegeben wurde. Leichte er daraufhin, war der Test positiv und die Schwangerschaft der Frau somit bewiesen.

Vom sprichwörtlichen Elfenbeinturm keine Spur, bei den Forschern wird Nähe zum Publikum großgeschrieben. Keine Frage, die nicht zumindest den Versuch findet beantwortet zu werden. Kein komplizierter wissenschaftlicher Sachverhalt, der nicht anschaulich erklärt werden kann.

Für die ebenfalls zahlreich erschienen Kinder gibt es verschiedenste Mitmachangebote, die mit großer Begeisterung wahrgenommen werden. So können die kleinen Besucher angeln und ihre Fänge bestimmen, gruselig erscheinende bleiche Schädel und Knochen dem entsprechenden Tier zuordnen oder Wasserproben mikroskopieren. Absolutes Highlight ist jedoch ein Stand an dem die Kinder ihre Fähigkeiten als Großwildärzte erproben können. Aufgabe: Treffe Papphyäne mit Blasrohr. Um den Anreiz zu erhöhen winken den potenziellen Nachwuchsforschern für Gelerntes und erledigte Aufgaben kleine Preise.

„Das Publikum, das den Weg in die Urania gefunden hat, war sehr interessiert. Teilweise fachkundige Besucher haben das Spektrum der Fragen und Diskussionen vergrößert“, so Jörn Geßner im Nachhinein. Auch das thematisch vorgebildete Publikum fand Zusatzinformationen. Er lobt auch das hilfsbereite Personal der Urania, welches die Urania als tollen Veranstaltungsort auszeichne.

Alles in allem ein erfolgreicher Abend für alle, der auch dieses Jahr wieder die Vorfreude aufs nächste Jahr und eine weitere „Lange Nacht der Wissenschaften“ schürt.

Reportage von: Johannes Kersten

Die lange Nacht der Studenten

Text von Susanne Halbeisen

13. September, FMP: Während Dr. Wiesner interessierten Erwachsenen mit Hilfe von Präsentation und Live-Experimenten demonstriert, wie die Leibniz-Institute Grundlagenforschung betreiben, leisten Berliner Biochemiestudenten im Erdgeschoss andere Pionierarbeit: im „Science Fair“ wollen sie Kindern die Chemie nahe bringen. Jörn Saupe, Doktorand an der FU, demonstriert, wie Aspirin sich im Körper verteilt. Bei seinem Versuch sind die Kinder vor allem von der knalligen lila Farbe begeistert, die sich ergibt, sobald die Stoffe reagieren. Auf einer Infotafel hinter ihm versucht man, möglichst einfach die Prozesse im Körper zu veranschaulichen. Manchmal räumt Saupe fast schon entschuldigend ein, dass Eltern den Versuch wohl eher verstehen, und dass die Kinder selbst wahrscheinlich noch nie Aspirin genommen haben. Ein paar Minuten dauert der Besuch, danach kommt die nächste Familie, und Saupe wiederholt das Experiment. Bis 23 Uhr muss er durchhalten. Trotzdem frustriert ihn die Arbeit nicht, schließlich ist er freiwillig hier. „Die Lange Nacht ist im Prinzip eine gute Sache“, meint er.

 

Ein paar Schritte weiter erklären Lisa Fischermeier und Georg Krainer die Katalase. Ein kleiner Junge soll Wasserstoffperoxid (bekannt aus Haarbleichemitteln) mit Schweineblut mischen. Es kommt vor, dass sich die Kinder ekeln, aber die Diplomanden reden ihnen immer wieder gut zu. Sie möchten vor allem, dass die Besucher ihre Scheu überwinden. „Eigentlich ist Laborarbeit nichts anderes als das, was hier gezeigt wird“, meint Krainer. Bei diesem Versuch verwandeln sich Schweineblut und Wasserstoffperoxid in eine großen Menge rosa Schaum. Die Kinder werkeln begeistert mit Pipette, Handschuhen und überdimensionalen Pinzetten herum – da kommt es manchmal vor, dass Mutti oder Vati den Sprössling zurückhalten muss, damit er sich erst einmal erklären lässt, worum es im Experiment überhaupt geht. Die Studenten nehmen es gelassen. Ihnen ist es wichtig, den Familien auf diese Weise ihr Fach näher zu bringen. Beide sind freiwillig hier, schon zum zweiten Mal. Das Experiment durften sie zwar nicht auswählen, aber das Erklärungsposter haben sie selbst gemacht. Woher rührt die Begeisterung für Biochemie? Krainer meint, dass er selbst lernen will, was im eigenen Körper passiert.

 

Am Ende des Gangs sorgt Sina Meyer dafür, dass der Nachwuchs an den Händen schwitzt. Eine ganze Horde lachender Kinder rubbelt fröhlich an ihren Gummihandschuhen, während die Doktorandin ein kleines Mädchen auffordert, ihre Handfläche auf ein Blatt Papier zu drücken. Danach besprüht sie es mit einer Lösung, in der Ninhydrin enthalten ist.  Mithilfe einer Art Fön wird ein purpurfarbener Handabdruck sichtbar – auch „Ruhemanns Purpur“ genannt. Mit der Lösung und der Wärme wurden Aminosäuren im Schweiß sichtbar gemacht. „Jeder versteht eben, soviel er kann“, sagt Meyer, und überreicht dem Mädchen ihren persönlichen Handabdruck. Hier ginge es nicht darum, die Kinder zu belehren, sondern ihr Interesse am Fach zu erwecken. Der Versuch kam schon in den zwei Jahren davor gut an und wird wohl auch nächstes Jahr wieder gezeigt werden. Ob Meyer ihn wieder selbst durchführt, weiß sie nicht. Aber bisher gab es immer genügend Freiwillige.

Seminararbeiten

Hier haben Sie / habt ihr Arbeiten der Studenten gelesen: Übungen im journalistischen Schreiben. Diese Texte sind ausdrücklich nicht zur Veröffentlichung oder Weiterverbreitung gedacht.

"Versprich nie einen Weltuntergang, den du nicht halten kannst"

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