Die lange Nacht der Studenten

Text von Susanne Halbeisen

13. September, FMP: Während Dr. Wiesner interessierten Erwachsenen mit Hilfe von Präsentation und Live-Experimenten demonstriert, wie die Leibniz-Institute Grundlagenforschung betreiben, leisten Berliner Biochemiestudenten im Erdgeschoss andere Pionierarbeit: im „Science Fair“ wollen sie Kindern die Chemie nahe bringen. Jörn Saupe, Doktorand an der FU, demonstriert, wie Aspirin sich im Körper verteilt. Bei seinem Versuch sind die Kinder vor allem von der knalligen lila Farbe begeistert, die sich ergibt, sobald die Stoffe reagieren. Auf einer Infotafel hinter ihm versucht man, möglichst einfach die Prozesse im Körper zu veranschaulichen. Manchmal räumt Saupe fast schon entschuldigend ein, dass Eltern den Versuch wohl eher verstehen, und dass die Kinder selbst wahrscheinlich noch nie Aspirin genommen haben. Ein paar Minuten dauert der Besuch, danach kommt die nächste Familie, und Saupe wiederholt das Experiment. Bis 23 Uhr muss er durchhalten. Trotzdem frustriert ihn die Arbeit nicht, schließlich ist er freiwillig hier. „Die Lange Nacht ist im Prinzip eine gute Sache“, meint er.

 

Ein paar Schritte weiter erklären Lisa Fischermeier und Georg Krainer die Katalase. Ein kleiner Junge soll Wasserstoffperoxid (bekannt aus Haarbleichemitteln) mit Schweineblut mischen. Es kommt vor, dass sich die Kinder ekeln, aber die Diplomanden reden ihnen immer wieder gut zu. Sie möchten vor allem, dass die Besucher ihre Scheu überwinden. „Eigentlich ist Laborarbeit nichts anderes als das, was hier gezeigt wird“, meint Krainer. Bei diesem Versuch verwandeln sich Schweineblut und Wasserstoffperoxid in eine großen Menge rosa Schaum. Die Kinder werkeln begeistert mit Pipette, Handschuhen und überdimensionalen Pinzetten herum – da kommt es manchmal vor, dass Mutti oder Vati den Sprössling zurückhalten muss, damit er sich erst einmal erklären lässt, worum es im Experiment überhaupt geht. Die Studenten nehmen es gelassen. Ihnen ist es wichtig, den Familien auf diese Weise ihr Fach näher zu bringen. Beide sind freiwillig hier, schon zum zweiten Mal. Das Experiment durften sie zwar nicht auswählen, aber das Erklärungsposter haben sie selbst gemacht. Woher rührt die Begeisterung für Biochemie? Krainer meint, dass er selbst lernen will, was im eigenen Körper passiert.

 

Am Ende des Gangs sorgt Sina Meyer dafür, dass der Nachwuchs an den Händen schwitzt. Eine ganze Horde lachender Kinder rubbelt fröhlich an ihren Gummihandschuhen, während die Doktorandin ein kleines Mädchen auffordert, ihre Handfläche auf ein Blatt Papier zu drücken. Danach besprüht sie es mit einer Lösung, in der Ninhydrin enthalten ist.  Mithilfe einer Art Fön wird ein purpurfarbener Handabdruck sichtbar – auch „Ruhemanns Purpur“ genannt. Mit der Lösung und der Wärme wurden Aminosäuren im Schweiß sichtbar gemacht. „Jeder versteht eben, soviel er kann“, sagt Meyer, und überreicht dem Mädchen ihren persönlichen Handabdruck. Hier ginge es nicht darum, die Kinder zu belehren, sondern ihr Interesse am Fach zu erwecken. Der Versuch kam schon in den zwei Jahren davor gut an und wird wohl auch nächstes Jahr wieder gezeigt werden. Ob Meyer ihn wieder selbst durchführt, weiß sie nicht. Aber bisher gab es immer genügend Freiwillige.

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Seminararbeiten

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"Versprich nie einen Weltuntergang, den du nicht halten kannst"

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